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Baby an die Brust: 10 Still-Mythen im Check


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Jede Mama, die ihr Kind mit Muttermilch ernährt, kennt die - in Anführungsstrichen - gut gemeinten Kommentare aus ihrem Umfeld. Längst nicht alle Tipps und Aussagen, die kursieren, stimmen auch. Wir haben zehn von ihnen gecheckt. 

Mythos 1: «Eine gute Mutter stillt ihr Kind»

Wer zu Milchpulver und Fläschchen greift, ist eine schlechtere Mutter? «Von diesem Kategorie-Denken sollten wir uns schnell verabschieden», sagt Kathrin Herold, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband. Nicht jede Frau kann schließlich stillen. Und nicht jede Frau, die stillen kann, möchte das auch tun. 

Es kommt allein darauf an, dass Eltern die Bedürfnisse ihres Kindes erkennen und erfüllen - von Nähe bis Nährstoffe. «Das ist mit oder ohne Stillen möglich», sagt Kathrin Herold. 

Und wie sieht es der Kinderarzt? Medizinisch gesehen stelle Muttermilch für Neugeborene die beste Ernährung dar, so Jakob Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). Aber: Mittlerweile gebe es gute andere Ernährungsformen. «Man sollte eher sagen: Es ist schön, wenn Frauen stillen. Aber sie können ihr Kind auch anders ernähren.»

Mythos 2: «Ein Baby, das oft trinken will, bekommt nicht genug.»

Kein Grund zur Sorge. Hinter dem ständigen Verlangen des Babys nach der Brust - auch Clusterfeeding genannt - steht ein cleverer Mechanismus. Es dient dazu, die Milchmenge zu steigern und so an den Bedarf des Babys anzupassen, etwa im Zuge einer Wachstumsphase. Durch häufiges Anlegen werde die Milchbildung angeregt, erklärt das Netzwerk «Gesund ins Leben». Clusterfeeding ist damit kein Signal dafür, dass die Milch nicht reicht. 

Kinderärzte kontrollieren das Gewicht des Neugeborenen in den U-Untersuchungen, um zu prüfen, wie gut es versorgt ist. 

Mythos 3: «Stillende sollten auf Zwiebeln oder Kohl verzichten»

Isst die Mutter blähende Lebensmittel, rumort es auch im Darm des Stillkindes? Das muss nicht so sein. Denn Gase und blähende Stoffe wandern nicht über die Muttermilch in den Körper des Kindes. Ein genereller Verzicht auf Hülsenfrüchte, Kohl und Zwiebeln ist daher nicht notwendig. 

Dennoch seien Jakob Maske zufolge manche Kinder empfindlich gegenüber bestimmten Lebensmitteln wie etwa Kaffee, Zwiebeln oder Kohl. Sein Tipp: ausprobieren - und beobachten, wie es dem Kind damit geht. 

Immer wieder kursiert auch der Tipp, in der Stillzeit Zitrusfrüchte zu meiden. Dass Zitronen, Orangen und Co. für einen wunden Po beim Baby sorgen können, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt, so das Portal «kindergesundheit-info.de» des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). 

Was in der Stillzeit aber auf jeden Fall tabu ist: Alkohol, Zigaretten und Drogen. 

Mythos 4: «Wird ein Kind zu lange gestillt, ist das schlecht für seine Psyche.»

«Nein, das ist völlig falsch», sagt Jakob Maske. Jedes Kind und jede Stillbeziehung ist individuell. So manches lehne die Brust irgendwann ab, andere Kinder zeigen viel Ausdauer. Kinderärzte empfehlen das Stillen, solange es Kind und Mutter möchten.

Mythos 5: «Die Mutter darf nicht stillen, wenn sie krank ist.»

«Würde das stimmen, würde das bei voll gestillten Kindern die komplette Ernährung auf den Kopf stellen», sagt Jakob Maske. Bei den allermeisten Erkrankungen können Frauen problemlos weiter stillen. 

Das gilt bei Grippe genauso wie bei Corona oder Magen-Darm-Infekten. Die Viren, die diese Krankheiten auslösen, werden nämlich nicht über die Muttermilch übertragen. Immer wichtig, im Krankheitsfall aber noch etwas mehr: Die Mutter sollte sich vor dem Stillen gründlich die Hände waschen. 

Nur in wenigen Ausnahmen müssen Frauen aufs Stillen verzichten. So ein Fall liegt beispielsweise vor, wenn die Mutter sich in einer Krebstherapie befindet.

Mythos 6: «Premilch taugt doch nichts»

«Verteufeln sollte man sie auf keinen Fall», sagt Jakob Maske. Die Premilch sei der Muttermilch angepasst und bilde «eine wahnsinnig gute Alternative für Familien». 

Eine komplette Kopie der komplexen Muttermilch ist Premilch zwar nicht. Dennoch: Diese industriell hergestellte Neugeborenen-Nahrung für Fläschchen enthalte Maske zufolge alle notwendigen Nähr- und Mineralstoffe und unterliege in Europa strengsten Kontrollen. 

Mythos 7: «Manche Frauen haben einfach zu wenig Milch.»

«Eine zu geringe Milchbildung kann in seltenen Fällen vorkommen», sagt Kathrin Herold. «Das ist aber niemals die Norm und sollte immer abgeklärt werden.» 

Die häufigsten Ursachen hinter der Annahme, zu wenig Milch zu haben, sei zu seltenes Anlegen oder ein zu ineffektives Saugen des Babys. Beides könne laut Herold behoben werden. Selten spielten medizinische Faktoren wie veränderte Schilddrüsenwerte eine Rolle.

Mythos 8: «Es ist normal, dass Stillen wehtut.»

Aua, wunde Brustwarzen! «Anfangs kann das Stillen unangenehm für die Mutter sein», sagt Kathrin Herold. Aber anhaltender oder starker Schmerz sei immer ein Warnzeichen und sollte überprüft werden. «Meist ist das Kind nicht optimal angelegt oder es hat Saugprobleme.» 

Hilfe bekommt die Mutter von einer Hebamme oder einer Stillberaterin mit IBCLC-Zertifikat.

Mythos 9: «Mit Implantaten kann man nicht stillen.»

«Das höre ich sehr oft, aber ich habe selbst solche Mütter betreut», sagt Kathrin Herold. «Es kommt auf die Schnittführung und die Lage des Implantats an. Heute wird es oft unter das Brustdrüsengewebe geschoben.» Dann ist Stillen meist problemlos möglich. Ob bei dem Eingriff die Milchgänge durchtrennt worden seien, können betroffene Frauen im OP-Bericht nachlesen.

Mythos 10: «Voll gestillte Baby brauchen zusätzlich Wasser, wenn es warm ist»

«Dieser Mythos ist falsch und kann für Babys gefährlich werden», sagt Kathrin Herold. Denn ihre Nieren sind noch gar nicht dafür gemacht, pures Wasser zu verarbeiten. Im schlimmsten Fall kann der Salzhaushalt im Blut gefährlich entgleisen. 

Und was ist bei Hitze? Dann muss dem Kind häufiger das Stillen angeboten werden. «Die Muttermilch ist aber perfekt an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst», beruhigt Kathrin Herold. So liefert sie nicht nur ausreichend Nährstoffe, sondern auch genug Flüssigkeit. Erst mit dem Beikoststart sollten Eltern ihren Kindern kleine Mengen Wasser anbieten - zum Ausprobieren und Üben.


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(24.09.2026)